Nadine Braun

Autorin, Künstlerin                                                                                                        Nadine Braun

Nadine wurde 1983 in München geboren, wuchs zeitweise auf dem Land auf. Das kann passieren – heute lebt und arbeitet sie in Augsburg. Sie schreibt aktuell an ihrem Coming of Age Roman, den sie auch veröffentlichen will.

Die Kindheit steht in ihrem Roman als etwas Schönes und Freies im Mittelpunkt. Jedenfalls löst das Zeitgefühl der ’90er Jahre eine gewisse Art von Nostalgie aus. Aber das ist nur die Hülle der Geschichte. Denn der Anstrich von Kindheit und Familie ist löchrig. Unter der Oberfläche des nicht ganz heilen Familienlebens lauert irgendein Horror. Die Atmosphäre erinnert an die Serie „Stranger Things“, nur dass der Schrecken echt ist. Selbst wenn man zu ahnen beginnt, was dem jungen Pete widerfahren ist, kann man dem noch keinen echten Namen geben. Doch nichts ist aussichtslos. Denn es gibt etwas, dass sich selbst über reale Monster erhebt. Und was das ist, will Pete unbedingt heraus finden. Eine Geschichte über einen mutigen Jungen.

Nebenbei entstehen Erzählungen über apokalyptische Städte, virtuelle Wesen mit Pixelproblemen oder mystische Mädchen aus dem Meer. Manchmal sind ihre Texte sehr persönlich, tiefgründig und fantastisch oder mit einem Glimmer von Humor und Zeitgeist.

Ihre Projekte:

  • Coming of Age
  • Prosa aller Art
  • Malerei, Grafik : Weltliches, Natur, Politik, Streetart, Graffiti, Comic,,,

Wen sie gerne liest:

 

 


Ein kleiner Ausflug in virtuelle Welten

Auszug aus „Nuria“
– oder wie ein virtuelles Wesen und ein Rabe Pixelprobleme bekämpfen

 

Ein stechender Schmerz in meinem Rücken lenkt mich ab, zieht durch meinen Körper und hebt mich vom Sims.

Mein Kopf wird in den Nacken gerissen, ich schlage die Arme auseinander.

Die gleiche Kraft drückt mich wieder nach vorn. Nuria!

Sie fällt, sie taumelt in die die Tiefe und schlägt auf dem Boden auf.

Ich fühle den Sims nicht! Ich schwebe über dem Hausdach. Nuria! Nein!

Das Licht auf meiner Haut verblasst und mein Herz beginnt wild zu schlagen.

Der Schmerz zwischen meinen Schultern ist gewaltig.

Meine Zähne schlagen aufeinander. Ein weiterer Stoß zieht sich durch meine Schulterblätter. Ich falle.

Die Hauswände zischen an mir vorbei. Der Boden kommt näher. Nurias kleiner Körper. Mir wird schwarz vor Augen.

 

 

…Diesmal klappt es. Und schon sitze ich mit Nuria auf der Schulter im lila Kunstlicht von Chainfood auf Berlin 4365 in einem weißen Plüschsofa in Teddybär-Form. Der Restaurantbereich steht voll mit Kuscheltiersofas und die Wände glitzern so hell, dass es in den Augen weh tut. Das ist neu. Ein mannsgroßer, weißer Hase in Lederhosen kommt an unseren Tisch.
„Nettes Outfit“, sage ich.
Der Hase kaut Kaugummi. „Was darf es sein?“
„Bastard!“, ruft Nuria und schüttelt ihre Flügel.
„Wo ist der Chain?“, frage ich. Doch der Hase ist abgelenkt, weil sich eine Gruppe Menschen-Männer an die Bar teleportiert und  laut „Marmor, Stein und Eisen bricht“ singt.
„Chain Spezial zum Mitnehmen“, sage ich. Er tippt es in sein Gerät. „Von wem ist das neue Design?“
„Prinzessin6789.“
„Das letzte hat mir besser gefallen.“
„Macht dann 26,50.“ Auf dem weißen Tisch vor uns öffnet sich die Luke und der Hase drückt mir die Tüte mit dem Essen in die Hand. Ich krame aus meinem Geldbeutel die Münzen.
„Haben Sie keinen Chip? Da hat man Sie aber schon lang nicht mehr aktualisiert.“
Ich lächle verkrampft, weil mir die Münzen immer wieder durch die Finger rutschen. Sie klimpern wiederholt auf den Tisch. Der Hase lässt unbeeindruckt eine Kaugummiblase platzen und krallt sie mir unter der Hand weg. Es passiert wieder und die Tüte mit dem Essen fällt auf den Boden. Ich bücke mich und brauche ewig. Immer wenn ich sie greifen will, gibt es eine Störung. Der Hase beobachtet mich eine Weile, schnaubt, nimmt die Tüte, gibt sie mir und sie fällt durch meine Hand…sie flirrt wie ein kaputter Bildschirm…