Valentina Wagner

Valentina Wagner wurde 1994 in Bayern geboren, lebt und arbeitet in Augsburg. Die Liebe zum Schreiben hegt sie schon, seit sie das Alphabet kennt.

Freunde, die sich gelegentlich Horrorgeschichten anhören müssen, warum die Nachbarn schon seit Tagen nicht mehr zu sehen sind, warum der alleine reisende Asiate so einsam war und warum sie das nächste Mal lieber auf ihren Spaziergang im Wald verzichten sollten, wissen, dass die Fantasie öfter mal mit Valentina durchgeht.

Seit einigen Jahren ist sie dabei, die hohe Kunst des maßlosen Übertreibens und schamlosen Lügens zu perfektionieren und diese Tugenden in Geschichten umzuwandeln. Keine Horrorgeschichten. Sondern Geschichten über Freundschaft, Erwachsenwerden und das Außergewöhnliche im Alltag.

 

Veröffentlichungen

Kurzgeschichte „Ohne Titel“ in zugetextet.com Ausgabe 6 / 2018 – Print

Figurengedicht „Totenkopf“ in Die Novelle – Zeitschrift für Experimentelles, Ausgabe 2 / 2014

 


Ein Auszug aus der Kurzgeschichte „Der Plan“

„Ich habe einen Plan, aber der ist nicht besonders gut.“

„Okay.“

„Wir brauchen seinen Autoschlüssel.“

„Okay.“

Die beiden Jungs standen Schulter an Schulter und blickten unschlüssig hinunter auf Herrn Straß. Herr Straß, der etwas kauzige Physiklehrer, lag nicht freiwillig bewegungslos auf dem Boden hier in der Physiksammlung. Eben noch hatte er sich sehr wohl bewegt, hatte den Jungs das Thema ihres Referats über Laborsicherheit erörtert und währenddessen seine Unterrichtsutensilien aufgeräumt. Felix, schon immer ein haptischer Lerner, hatte die Hand nach einer Metallkugel ausgestreckt, die auf einem der Tische stand. „Nicht anfassen!“, hatte Herr Straß gerufen und Felix‘ Hand weggeschlagen. Das waren die letzten Worte, die er jemals rufen sollte. Denn der Lehrer hatte nun selbst den Kugelkondensator angefasst. Er war plötzlich erstarrt, Augen weit aufgerissen. Seine Zähne hatten merkwürdig zu klappern begonnen. Dann war er dort zu Boden gefallen, wo er nun immer noch lag.

„Bestimmt hat er den Schlüssel in seiner Tasche.“

„Okay.“

„Schau mal nach.“

„Okay… Halt, wieso ich?“

„Du hast ihn ja wohl umgebracht.“