Nur Fiktion

Nur Fiktion

12. Juli 2020 0 Von Nessa Hellen
Die etwas andere Bücher und Filme – Rezension.

Es ist doch nur Fiktion. Sexueller Missbrauch und Vergewaltigung in Büchern, Filmen, Lyrik und Musik. Wo ist meine Verantwortung als Künstler/Autor? Und es stellt sich die Frage danach, ob eine Meinung etwas wert ist, die nicht dem Mainstream entspricht.

Erzogen wurde ich als Mädchen und Frau dazu mir nur eine Frage stellen zu dürfen: Darf ich das? In jeglicher Hinsicht. Und nun stelle ich mir als Künstlerin und Autorin die gleiche Frage:

Darf ich das? In einer Zeit von Metoo selbst entscheiden wie ich mich beim Lesen eines Buches, eines Textes oder beim Schauen eines Filmes fühle, oder dem Betrachten eines Kunstwerkes? Und kann ich dann erwarten, dass meine Sicht etwas wert ist? Oder wird sie als zu emotional bewertet, als queer und als falsch?

Mal angenommen ich betrachte ein Gemälde in Amsterdam im Van-Gogh-Museum. Zum Beispiel die Sonnenblumen. Sie stehen vertrocknet in einer Vase. Die Farben sind in Ocker, Gelb und Brauntönen gehalten. Sofort schießen mir Empfindungen durch den Kopf. Ich denke an den Herbst. Verwelkte Blätter, der schwere aber gleichzeitig tragende Duft von Erde, der erste Frost, das Ende vom Sommer. Und ganz tief innen drin löst es eine Art Traurigkeit aus, weil es mich an Vergänglichkeit oder sogar an das Sterben erinnert. Vielleicht fällt mir darauf meine Oma ein, die gestorben ist. Und ich denke an sie, muss vielleicht sogar weinen. Ein Mensch spricht mich an. Ich erzähle ihm oder ihr von meinem Erleben. Und ihre oder seine Reaktion wäre folgende:

Sie sehen das viel zu emotional. So hat Van Gogh das nicht gemeint. Sie machen sich ja lächerlich. Sind wohl ziemlich sensibel, oder? Nah am Wasser gebaut? Sie denken total irrational. Sie müssen das Werk rational betrachten. Es sind Blumen. Auch noch gemalte! Keine echten! Nichts weiter. Sie Schwächling! Reißen Sie sich zusammen. Ihre Gefühle in der Öffentlichkeit zeigen…?! Das ist schwach. Überhaupt hätten sie das wohl gerne hä? Sie wären wohl gerne selber tot, oder? Haben sie sich vielleicht heimlich gewünscht, dass ihre Oma stirbt und wollen jetzt Aufmerksamkeit erhaschen? Sie sind viel zu inkompetent um sich ein Urteil über das Bild zu erlauben. Außerdem dürfen sich nur die Amsterdamer darüber austauschen und Sie kommen nicht von hier. Also ist Ihre Meinung und ihr schwächliches Getue nicht von Bedeutung. Raus hier! Und wehe Sie verbreiten hier ihre komischen Ansichten. Dann sind Sie vielleicht wirklich bald tot.“

Natürlich würde das nicht passieren. Weil es hier um ein harmloses Gemälde von Van Gogh geht. Keiner würde mir meine Wahrnehmung absprechen. Entweder man würde sie respektieren oder ergänzen. Aber niemand würde mich so behandeln. Und mir mit dem Tod drohen oder mich als zu emotional bezeichnen. Das wäre auch sehr seltsam. Es geht in diesem Text auch nicht um Van Gogh`s Blumen oder speziell um mich, sondern um etwas anderes, was ich in den folgenden Abschnitten gerne erläutere und das in letzter Zeit ein wenig Aufmerksamkeit in den Medien bekam. Es wird in diesem Text um die Verherrlichung von Sexuellen Missbrauch und Vergewaltigung in Filmen und Romanen, in Lyrik und Musik gehen.

Bevor ich das weiter erkläre, möchte ich ein paar Filme und Bücher nennen bei denen ich das Gefühl habe, dass sie das Thema Sexueller Missbrauch und Vergewaltigung gut dargestellt haben. Mit gut dargestellt meine ich, dass klar wird: Es geht dabei um Gewalt. Es wird weder als etwas romantisches dargestellt, noch wird sich darüber lustig gemacht, bzw. verharmlost. Die Folgen werden gut erklärt und die/der Protagonist/in geht realistisch damit um.

Romane

  • Dem Horizont so nah – Jessica Koch erzählt über ihre Jugendliebe Daniel Taylor und seine drogenabhängige Mitbewohnerin Tina.

Eine wahre Geschichte über ein traumatisierten jungen Mann, der durch seinen pädophilen Vater an HIV erkrankt. Eine Geschichte über Freundschaft und Liebe. Eine sehr einfühlsame und starke Autorin.

Gibt es mittlerweile auch als Film. Das Buch ist aber tausendmal besser.

  • Loveletters to the Death – Ava Dellaira

Eine Hommage an tote Künstler und wie tote Songwriter/innen, Schauspieler/innen, ua. das Geheimnis eines Teenagers hüten und stille Begleiter werden. Wie sie dazu ermutigen die eigene Stimme zu finden um über das unaussprechliche zu sprechen.

  • Die verbotene Zeit – Katrin Stehle

Eine Reise in die verbotene Vergangenheit einer Jugendlichen, die unbedingt herausfinden will, was damals wirklich geschehen ist.

  • Ein wenig Leben – Hanya Yanagihara

Der Tausend Seiten Epos. Wahnsinn wie Hanya die Figuren in ihrem Roman gleichzeitig so authentisch und extrem gestaltet hat. Sie selbst sagte in einem Interview zu ihrem Roman, dass er dazu einlädt Protagonisten kennen zu lernen die jenseits des Mainstreams und der Normalität (Kind, Haus, Familie, weißer Gartenzaun…) leben. Jude St.Francess wächst in einem Kloster unter aller schlimmsten Bedingungen auf. Als junger Erwachsener lernt er auf dem College seine drei Lebensfreunde William, JB und Malcom kennen. Langsam kommt ans Licht durch was für eine Hölle Jude gegangen ist und diese Hölle begleitet den Leser und Jude durch den ganzen Roman. Es gibt wenige Momente in denen ein bisschen Hoffnung für den Protagonisten Jude aufleuchtet. Das faszinierende an Hanyas Roman ist die Authentizität und der Sog dem man erliegt. Das Thema Trauma –  Folgen und Sexueller Missbrauch trifft einen wie die Faust ins Gesicht. Mir persönlich hat der Roman im Großen und Ganzen gefallen, weil er sehr authentisch ist und nicht verschönert. Auch die anderen Themen (zb. Homosexualität) und Figuren waren interessant und realistisch dargestellt. Was mir nicht so gut gefallen hat und deswegen kann ich diesen Roman auch nur teilweise empfehlen war das endlose Leid (und an einigen Stellen auch ziemlich übertriebene Aneinanderreihungen von Erlebnissen – wobei man sich selbst als Betroffene nur noch denkt: Realy?). Mein innerer Authentitätsprüfer sagt hier trotzdem: 100% erreicht. Wer selbst betroffen von sexuellen Missbrauch ist und noch nicht stabil genug der sollte beim Lesen auf sich aufpassen. Es wird wirklich explizit und ich selbst musste lange Pausen beim Hören des Hörbuches „Ein wenig Leben“ machen. Die Missbrauchsszenen an sich sind nicht alle detailreich beschrieben, teilweise sogar auch angedeutet und trotzdem sehr heftig, aber die Spätfolgen wie zum Beispiel Selbstverletzung/Suizid sind sehr detailreich erzählt und können unter Umständen stark triggern (selbst getestet und bestätigt). Hier gilt also für Betroffene: Passt auf euch auf. Holt euch Hilfe. Ich glaube mich hat noch nie ein Buch so beschäftigt wie dieses und auch noch nie so getriggert. Warum habe ich mir dass angetan? Nun, weil ich früher, als ich durch meine Hölle gegangen bin auch nicht einfach auf Stopp drücken konnte und das alle anderen Missbrauchsopfer auch nicht können. Hier erfuhr ich eine Art Kontrolle. Des weiteren habe ich mich von diesem Roman komplett verstanden gefühlt. Fazit ist also: Ein sehr guter Roman der teilweise mit sehr vielen Aneinanderreihungen von Leid daher kommt und das die ganze Sache etwas langatmig macht. Allerdings zeigt das auch die Schwere der Thematik sehr deutlich und ohne Pause und ohne Schönheitskorrekturen, ohne Blabla und mit ganz viel Sadismus. Ein sadistisches Buch also, auf das man sich einlassen sollte, wenn man verstehen will was es bedeutet durch die Hölle zu gehen. Empfehlen würde ich es aber nur wenn man stabil genug ist. Und selbst dann sollte man auf sich aufpassen.

Filme/Romane

  • Vielleicht lieber morgen – auch als Roman von Steven Chbosky „Das ist also mein Leben“

Ein wirklich sehr schöner und hinreißender Film über einen Jugendlichen, der sich selbst finden will. Hat er wirklich echte Liebe und Freundschaft verdient?

  • Short Therm 12

Die stillen Helden in Kinderheimen. Meistens bringen Betreuer/innen selbst große Probleme aus ihrer Kindheit mit. Manche schaffen es den Kreislauf aus Gewalt zu durchbrechen und haben mehr Liebe zu geben, als so manch einer ahnt.

  • Maniac

Ein Film über einen gewalttätigen Teenager der in einer Besserungsanstalt für Jugendliche landet. Die Geschichten der anderen fangen langsam an sein Herz zu erreichen.

  • Sleepers

Das Rache – Epos (so nenne ich es) aus den Neunzigern. Kann Freundschaft uns vor Hass, Mord und Vergeltung bewahren? Sehr realistisch dargestellt, wie unterschiedlich sich sexueller Missbrauch auswirken kann. Manche werden zu Verteidigern, zu Helfern und andere zu Mördern.

  • In meinem Himmel – auch als Roman „In meinem Himmel“ von Alice Sebold

Fantastisch. Eindringlich. Poetisch. Tiefer, als jeder Film den ich kenne. Es zerreißt einem das Herz. Jeder will Gerechtigkeit oder richten. Dieser Film wird jeden eines besseren belehren. In der Realität kommt nicht alles immer so wie es sein sollte. Ist es möglich trotzdem Frieden zu finden?

Der Roman ist voll von Poesie. Noch schöner als der Film.

  • Speak

Eine total sympathische Kirsten Stuart. Die schweigt. Über das was ihr angetan worden ist. Wie lange will sie noch Sündenbock der ganzen Schule sein? Und wie hilft ihr die Kunst dabei ein Sprachrohr zu finden?

Drachenläufer – auch als Roman „Drachenläufer“ von Khaled Hosseini

Eine wunderschöne Geschichte über Freundschaft. Darüber wie ein Verbrechen lähmen kann. Und über den Mut seine Fehler wieder gut zu machen.

  • Das Fest

Schwedisch. Ungeschönt. Heftig. Ein erwachsener Mann spricht mit seinem Vater über die Wahrheit. Und wenn es sein muss vor der ganzen Verwandtschaft.

  • Mystic River

Das Opfer als Sündenbock. Wird wirklich jeder Junge zum Täter? Und wenn man den echten Grund nicht herausfinden kann, warum schlimme Dinge passieren – dann ist bestimmt das ehemalige Opfer schuld.

  • Iam not a fucking Princes

Fuck you Mum! Ich will nicht dass du mich zu einer Kinderhure machst. Mehr muss ich nicht sagen.

  • Prechours

Wie Träume uns vom Trauma befreien. Jennifer Lopez in einer sehr ernsten Rolle. Und ein Mädchen dass der Realität entfliehen will und gleichzeitig den Mumm dazu hat Fuss im eigenen Leben zu fassen.

  • Stieg Larson Trilogie

Stieg Larson. Ein bewundernswerter Mensch, Autor und Journalist. Rest in Piece.

Die Gewaltdarstellungen sind mir teilweise zu heftig, zeigen aber auf, das es sich tatsächlich um Gewalt handelt. Nicht um Sex. Den Roman habe ich nicht gelesen. Die Originalfilme (nicht der Hollywood-Abklatsch) finde ich aber sehr gut gemacht. Durchaus empfehlenswert, weil spannend und überzeugend.

  • The Woodsman – über einen Pädophilen (selbst nicht gesehen. Soll aber sehr gut sein. Garantie gibt es aber nicht von mir)
  • Wilde Kräuter (Netflix) Ein Film der es schafft lustig zu sein, ohne das Thema „Sexuelle Gewalt, Krieg und die Folgen“ in den Dreck zu ziehen. Eine Begegnung der ganz besonderen Art. Zwischen Menschen die unterschiedlicher nicht sein könnten, aber alle etwas gemeinsam haben.

Serien

  • Tote Mädchen lügen nicht (Netflix) auch als Roman (13ReasonsWhy von Jay Asher) Ich mag diese Serie besonders deshalb, weil wirklich vor jeder Folge darauf hingewiesen wird, ob sie Darstellung von Sexueller Gewalt enthält und der Zuschauer sich somit darauf einstellen kann. Hingewiesen wird, dass es sich tatsächlich um etwas handelt, dass sehr verstörend ist und sehr wohl Schaden anrichtet in der Seele. Das ist auch deutlich spürbar in den Bildern und der Story. Man kann die Emotionen in den Gesichtern lesen. Ungeschönt, aber nicht verherrlichend.

 

Romantisch, Lustig, Harmlos, Geil

Ich bin mir ziemlich sicher, dass viele jetzt denken werden, oder es sogar sagen: Och, im Endeffekt sind das doch nur Filme und Geschichten. Die haben nicht so viel Macht. Hier muss ich widersprechen. Doch das haben sie. Denn sie sind der Spiegel unserer Gesellschaft und prägen uns. Ob das einige in ihrer geistigen Umnachtung noch mitbekommen, mag mal dahin gestellt sein. Verbieten kann man die verherrlichenden Filme, Bücher, Texte, Lieder, Lyrik oder Poesie von Sexuellem Missbrauch oder Vergewaltigung vermutlich nicht, denn alles was verboten ist gewinnt um so mehr an Reiz. Und hier komme ich gleich zum Thema: Verantwortung übernehmen.

Was habe ich als Künstlerin/Autorin, aber auch als Käufer von Kunst und Literatur für eine Verantwortung über mein Denken, mein Handeln, meine Wünsche und meine tiefsten Überzeugungen?

Der Deckmantel von Kunst ist meiner Meinung nicht nur so ein daher gesagter Deckmantel. „Das lyrische Ich, las ich in einem Zeitungsartikel, „ist nicht gleichzusetzen mit dem Ich des Autors“. Es ging um einen sehr provokanten Text eines Sängers, in dem es um die vermeintliche Verherrlichung von Vergewaltigung geht.

Ja, das stimmt. Wir alle schleppen Anteile mit uns herum die wir mal mehr oder mal weniger in die Öffentlichkeit tragen und sie zeigen. Trotzdem sind sie ein Teil von uns und kein Geist der uns erscheint, nichts das nicht trotzdem zu uns gehört, kein Alien der einem etwas ins Ohr flüstert. Das lyrische Ich kann also trotzdem einen Flächenbrand auslösen wenn es ein angezündetes Streichholz in den Wald wirft. Man schaue sich nur die Nazis im dritten Reich an, die unter dem Deckmantel Kunst Propaganda gemacht haben oder die Comics in denen dunkelhäutige Menschen oft als lächerlich oder Sklaven dargestellt wurden.

Trägt ein Künstler-Ich also mehr Verantwortung als das Alltags-Ich? Das heißt nicht, dass ich deswegen meine Gedanken oder meine Kunst nicht ausleben darf, oder? Es heißt aber ganz klar dass ich eine Verantwortung als Künstler trage. Wem zeige ich meine Werke? Für welche Altersgruppe ist es geeignet? Was lösen sie beim anderen aus? Kann ich wenn nötig Stellung dazu beziehen? Wer ist es wert eine Meinung dazu zu haben? Will ich damit nur noch mehr Öl in das Feuer kippen? Macht es mir Spaß dabei zu zusehen wie sie sich gegenseitig zerfleischen…usw…

Wie ist das also mit diesen Filmen, oder Romanen aus dem Dark-Romance Bereich, oder den Pornos, in denen die Frau meist als unterwürfig gilt und der Regisseur darauf getrimmt ist soviel Gewaltdarstellung wie möglich zu produzieren? Zum unmittelbaren zuschauen, zum dabei sein einladen, weil es sich gut verkauft. Nicht um aufzuzeigen wie schrecklich dieses Verbrechen ist, sondern um Erregung zu erzeugen und zu provozieren, es als romantisch darzustellen oder sich darüber lustig zu machen. Und das frei zugänglich für Jugendliche, die noch nicht volljährig sind und deren sexuelle Entwicklung meist von Pornos, oder dem Dark-Romance-Genre bestimmt wird, weil die nötige Aufklärung fehlt. Weil wir als Menschheit immer noch nicht begreifen wollen, dass das eigentlich wichtig wäre unseren Kindern beizubringen was Sexualität eigentlich bedeutet. Einverständnis zum Beispiel. Wenn beide Partner damit einhergehen sich gegenseitig auszupeitschen, dann ist das in Ordnung. Dafür braucht es großes Vertrauen, Erfahrung und vor allem Liebe. Wenn auch nicht im ehelichen Sinn, sondern die Liebe im Herzen, bzw. Menschlichkeit.

Zum Thema Interpretation:

Bin ich nun ein emotional gefestigter oder emphatischer Mensch, werde ich sagen, dass es grausam ist diese Texte, Bücher zu lesen, oder diese Filme zu schauen und mir die Opfer leid tun. Oder ich werde sagen können, okay, dass entspricht nicht der Realität (nicht meiner eigenen). Ich werde bestimmt nicht los ziehen und jemanden vergewaltigen, oder Vergewaltigung als etwas sehen dass es nicht ist. Auch wenn ich neutral dazu stehen würde.

Linkin Park ist eine Band die ich sehr schätze, weil ich mich in ihrer Musik verstanden gefühlt habe.

Was würde passieren wenn ich keine Empathie hätte? Wenn ich schon immer davon geträumt habe jemanden Schmerzen zu zufügen, jemanden zu vergewaltigen? Und LP wäre nun eine Band die das verherrlicht. Ich würde mich bestätigt fühlen. Ich höre das Argument schon. Es klingt wie: Aber jemand, der eine Playstation hat und Ego – Shooter zockt, der läuft doch auch nicht Amok. Das mag sein. Solange dieser Jemand emotional stabil ist. Und ich denke es lässt sich nicht leugnen:

Es gibt Amokläufe.

Es gibt Rassismus.

Es gibt Vergewaltigung.

Es gibt Sexuelle Gewalt an Kindern und Babys. An Männern, Frauen. Von Männern und Frauen.

Es gibt Krieg.

Und dann ist es egal, ob den rassistischen oder sexistischen Text ein lyrisches Ich, oder das Alltags-Ich veröffentlicht hat. In wie fern steht also Kunst und ein Künstler wirklich in seiner Verantwortung, worüber habe ich Kontrolle und worüber nicht? Und wie viel Verantwortung hat jeder einzelne von uns, ob Künstler oder nicht?

Die Realität ist, dass ich als Künstler nur wenig Kontrolle darüber habe wie mein Werk aufgefasst wird. Sollte ich es dann lieber ganz bleiben lassen? Dazu in den nächsten Abschnitten.

Die eigene Meinung aussprechen

Den oben genannten Sänger möchte ich nicht nennen, weil ich ihn nicht an den Pranger stellen will. Er ist in meinen Augen ein bodenständiger Künstler, der gerne provoziert. Manche Künstler sind sehr von sich selbst überzeugt. Doch er ist bestimmt nicht so ein Mensch, einer der das so meint wie er es schreibt. Womöglich. Nur gab es in den Medien ein Beispiel dass mich aufhorchen ließ. Ein Rapper (Name egal) der vermeintlich Vergewaltigung – verherrlichende Texte rappt und später öffentlich Morddrohungen und Kopfgeld auf eine Frau ausspricht die sich erlaubt hat zu sagen, dass ihr es nicht so gut gefällt was er da schreibt und das auch öffentlich in Frage gestellt hat. Als ein Künstler und wäre es wirklich Kunst, würde man wahrscheinlich Stellung dazu nehmen und erklären warum das so geschrieben ist. Womöglich. Doch der Rapper zeigt mit seinen Morddrohungen genau das wofür er rappt und sein meist sehr junges Publikum auch. In Facebook-Kommentaren. Sie tun es ihrem Vorbild gleich. Die Meinungen der Frauen und Männer, die sich angewidert fühlen, ist nichts wert. Ihre Gefühle dazu sind nicht berechtigt. Und dieser Rapper bekommt für seine Texte den Echo und wird gefeiert. Die Fans behaupten, die Texte wären nicht so gemeint und die Gegenseite würde die Texte völlig aus dem Kontext zu unrecht verurteilen. Und überhaupt wären die Rapper die ihre frauenfeindlichen Texte in die Welt produzieren nicht so. Nur das einige wirklich Anzeigen wegen Sexueller Belästigung am Hals haben, Morddrohungen aussprechen, und auf die Frage wie sie das Thema in ihren Texten denn so sehen, sowas sagen wie:

…wenn sich ein Vergewaltigungsopfer auf den Schlips (…so geil:)) getreten fühlt? Ja dann müsste man ja alles verbieten. Entweder darf ich über alles schreiben oder nichts.“ (Finch Assozial)

Genau. Dann gar nichts schreiben oder alles schreiben. Logik? Weit gefehlt. Das klingt für mich so: Wenn sich jemand verletzt fühlt, ist er selbst schuld. Natürlich hat FA. auch gleich darauf gesagt: „Ja, Frauen haben schon ein Recht auf Gleichberechtigung, aber dann nicht noch mehr verlangen!“ xD. Großartig. Sherlock.

Auf einem Battle – Rap geht es mit Absicht nicht gerade nett zu. Das ist auch völlig okay und Sinn eines Battle-Rap, nur wenn der Veranstalter dann sowas sagt wie: Erst wenn das ganze Land (alle Menschen in Deutschland) über alles lachen kann, dann ist alles richtig. Lachen. Über sexuelle Gewalt? Über Rassismus? Oder wie soll ich das verstehen? Lachen im Sinne von, wir sind jetzt alle Brüder und Schwestern und lachen mal alle ganz kräftig über alles? Kunst nicht verstanden? Kann ich nur zurück geben. Kunst nicht verstanden.

Das lyrische Ich hat keine Macht? Es kommt immer darauf an wie man es als Mensch interpretiert. Was ich damit sagen will ist: Okay, schreib diese Sachen, nenne es Kunst, aber wenn jemand frägt, oder sich jemand verletzt fühlt, dann übernehme gefälligst Verantwortung für deine Kunst und spreche darüber, zeige dich offen für die Gefühle anderer und überlasse es verdammt noch mal nicht allein der Interpretation!

Die Gesellschaft des Alltags vergisst solche Dinge leider gern oder will da gar nicht erst so genau hinschauen. Denn was Opfer von sexueller Gewalt sehr häufig hören ist: Der/Die hat das bestimmt nicht so gemeint. Der liebe Onkel XY, die nette Oma Mustermann. Der/Die meint das nicht so. Der/Die ist eigentlich ganz lieb. Der/Die hat doch nur gesagt, dass dir in die Fresse geschlagen gehört, der/die hat dich doch nur ganz kurz am Hintern angefasst.

Polarisieren und fette Kohle machen

Wenn ich als Künstler also schon weiß, dass meine Texte oder mein Film oder mein Buch auf jeden Fall zwei Seiten, im Fall des Rappers, Patriachat und den Feminismus, die Fans und die Medien, die Verlage und die Kritiker aufeinander hetzen wird und mir bewusst darüber bin, dass ich damit ganz klar viel Kohle machen werde, dann bin ich wahrscheinlich schon am Ende meiner kreativen Grenzen und verzweifelt darum bemüht Aufmerksamkeit zu erregen. Weil es immer noch krasser, noch ekliger, noch grausamer, noch direkter und noch skrupelloser sein muss als alles was es schon gegeben hat. So etwas und besonders dann, wenn dieser Künstler Morddrohungen gegen jemanden ausspricht der dazu eine etwas andere Meinung hat, als der Künstler erwartet, empfinde ich das als höchst gefährlich. Ob gute Marketing-Strategie oder nicht mag mal dahin gestellt sein. Dann geht es nicht mehr darum, ob man ein Gedicht über vermeintliche Vergewaltigungsphantasien veröffentlichen darf, sondern da geht es bereits um die Menschenwürde und die freie Meinungsäußerung, die jedem zusteht, völlig unzensiert und frei. So wie dem Verfasser dieses Gedichtes.

Wenn Kunst nicht schocken darf, ist es keine Kunst.“ (Zitat mir unbekannter Autor) Es kommt darauf an, ob meine Meinung dann dazu respektiert wird, oder mit Füßen getreten wird. In dieser Gesellschaft die hauptsächlich von den Opfern verlangt, gefälligst damit umzugehen, dazu zu lernen, sich zusammen zu reißen, wenn mal wieder jemand einen Kinderschänder – Witz macht oder einen lyrischen Text über Vergewaltigung – Verherrlichung veröffentlicht. Ich als Opfer habe ja schließlich eine sehr eingeschränkte Sicht auf dieses Thema, nicht wahr? Von mir würde ja sowieso erwartet, dass ich aufschreie. Ich finde diese Sicht ist sehr einseitig. Mitunter es ja auch Opfer gibt die zu Tätern werden. Das nur mal so als Fakt. Also keine Rechtfertigung dafür, dass man das Thema Vergewaltigungsverherrlichung in der Kunst oder als Witz ruhig mal legitimieren darf. Denn da entspringt der Kreislauf. Was ich als Betroffene von sexuellen Missbrauch weiß ist, dass sich Verhalten überträgt, dass ich es als Kind/als Jugendliche als normal empfunden habe, was mir passiert. Ich dachte, sexuelle Gewalt wäre die einzige Sexualität die es gibt, ergo, dass mich jemand der mich verletzt und mir weh tut, mich zu Sachen zwingt die ich nicht will, liebt. Das was ich lernte wirkt sich immer noch auf mein Leben aus. Ob ich das für gut empfinde oder nicht. Wäre ich nun jemand, der es für richtig empfindet was ich als Kind durch das Verhalten der Erwachsenen (die mich gefickt haben) gelernt habe, würde ich dieses Verhalten (Kinder ficken ist richtig) ungeschönt weiter geben.

Fazit

Feminismus ist eine Entwicklung. Genauso wie das Patriarchat. Ebenso wie Nationalsozialismus, Kommunismus und Rassismus, Sexismus, oder Faschismus. All das kommt von irgendwo her. Alle beinhalten Gewalt. Alles davon hat ein Sprachrohr, nämlich die Medien, die Kunst, Literatur und Musik fördert, oder eben nicht fördert. Mir kommt es manchmal sehr willkürlich vor. Ich stelle mir die Frage ob Themen die gerade „en Vogue“ sind, wie toxische Beziehungen alla „Twilight“, der umstrittene Film365Day`s auf Netflix, oder die Youngadult-Romane die ja hauptsächlich von weiblichen Jugendlichen gelesen werden, so gehypt werden, weil die Medien, Verlage usw….damit ihr Geld verdienen, wohlwissend wichtige Themen damit in den Dreck zu ziehen, während andere Themen, die gerade nicht so „en Vogue“ sind (zb. Rassismus) als klare Gewalt dargestellt wird. Warum das nicht auch bei sexueller Gewalt? Warum können erwachsene Autoren, Rapper und Filmemacher ihre Schlafzimmerfantasien nicht für sich behalten, oder diese Fantasien nur mit Erwachsenen teilen und warum muss das von den Medien auch noch gehypt werden? Während die Bücher und Filme die ich oben genannt habe kaum bis gar nicht erwähnt werden.

Um es nochmal zu widerholen: Diese Filme und Bücher die ganz klar Themen wie „sexuelle Gewalt“, „Gas Lightning“, „Entführung“, „Toxische Beziehungen“, „Vergewaltigung“ ectr.  … als romantisch, lustig oder harmlos darstellen sind für Jugendliche deren sexuelle Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist, frei verfügbar. Ich stelle mir die Frage, was das mit einem jungen, unerfahreneren Menschen macht, dem eingetrichtert wird, dass die eben erwähnten Themen lustig, harmlos oder romantisch sind? Was es mit einem jungen Menschen macht, der in unserer Gesellschaft durch notdürftige Sexualkunde (rein – raus – fertig- Prinzip) wenig Aufklärung über Liebe, Erotik und Beziehung bekommt. Leider lernen Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene immer noch nichts über Mitgefühl, Respekt, Selbstliebe und Liebe in der Schule oder in der Ausbildung, nichts über sexuellen Missbrauch und toxische Beziehungen. Hier gilt auch immer noch das „rein-raus-fertig-Prinzip“, genau wie ihnen der Sex erklärt wird. Sie lernen nicht wie sie sich gegen sexuelle Gewalt wehren können, sie lernen nicht, dass sexuelle Gewalt nicht vom Fremden ausgeht, sondern in der Familie und im Freundeskreis, in Beziehungen passiert.

Warum wird es also so gehypt? Warum ist es so en Vogue? Die Romantisierung von Sexuellem Missbrauch. Weil unsere Gesellschaft so ist. Es wird toleriert. Weil wir es nicht anders kennen und das spiegeln was wir kennen. Wo ist der Aufschrei? Wo fliegen die Steine? Wie bei sogenannten „Hygiene-Demos“ wo es um unser Grundrecht geht zum Friseur gehen zu dürfen, trotz Lockdown? Oder auf der Spree an einem warmen Pfingstwochenende 2020 in Berlin. Tausende Menschen hatten sich in Schlauchbooten trotz Kontaktverbot versammelt um für die Clubszene in Berlin zu demonstrieren. Was meiner Meinung nach ziemlich dämlich war. Und bei sexueller Gewalt? Wo bleibt der Aufschrei? Klar gibt es eine Metoo-Bewegung. Und es gibt die Feministen. Und es gibt viele Einzelkämpfer. Zum Beispiel Markus Diegmann von tour41.ev der seit vier Jahren für die Abschaffung der Verjährungsfrist bei sexuellen Missbrauch kämpft und in diesen vier Jahren 400.000 Unterschriften dafür bekommen hat und erst nach vier Jahren die Aufmerksamkeit von Justizministerin Lambrecht. Vier Jahre. Ich möchte vermuten, auch wenn ich mich jetzt weit aus dem Fenster lehne, dass eine Petition zum Thema „Ich will aber zum Friseur“ im Lockdown dass in einer Woche geschafft hätte.

Kunst, Literatur und Filme sind menschengemacht und als Mensch drücke ich das aus, was ich kenne, was ich liebe, oder hasse, wie ich die Welt sehe, egal ob durch Kunst oder indem ich losziehe und jemanden vergewaltige. Sie sind der Spiegel. Sie kommen von irgendwo her. Sie sind die Überlieferungen unserer Zeit, unserer Epoche und unserer Kultur, der Bote des Zeitgeistes. Sie hat es schon immer gegeben und es liegt an uns wie lange wir diese Dinge noch romantisieren, verharmlosen oder verleugnen, wie lange wir noch das Opfer nicht ernst nehmen, wie lange wir noch glauben, dass der Tod eines Täters die Lösung ist, wie lange wir vor unserem Inneren davon laufen, oder wie lange einige von uns noch glauben, sie hätten dazu nichts zu sagen, weil sie mit dem Thema nichts zu tun haben.

Ich werde nicht von jedem verlangen können sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Schließlich gibt es auch für mich Themen die in meiner eigenen Welt keine Rolle spielen. Wie zum Beispiel Fußball oder Präsidentenwahlen, oder Bücher in denen sich Mauerblümchen in den Bad Boy verknallt, der sie wie ein Stück Dreck behandelt und das Genre trotzdem als Romance/Erotik gelten darf. Es interessiert mich einfach nicht. Und ich werde niemanden, schon gar nicht die Rapper, davon abhalten können zu polarisieren und zu spalten. Das will ich auch gar nicht. Aber, ich möchte dazu ermutigen mal ganz genau nachzuspüren, was diese Art von Kunst oder Literatur mit einem macht. Hinzuhören und nachzuspüren was andere Meinungen, zum Beispiel meine auslöst. Was kommt da hoch? Wut? Auf mich, auf die Autorin dieses Textes?

Ich weiß, es gibt einige die behaupten im Zusammenhang gesehen mit den ganzen Texten des Rappers hätte er es nicht so gemeint, wie es rüberkommt. Das mag schon sein, nur ist es dann seine Aufgabe dies aufzuklären. Und nicht sich zurück zu lehnen und dabei zu zusehen, wie sich die Leute gegenseitig zerfleischen und dazu auch noch beizusteuern gegen Leute zu hetzen, die eine andere Meinung zu seinen Texten haben. Denn ich habe da einen Traum. In diesem Traum werden die Menschen die sexuelle Gewalt erlebt haben ernst genommen. Über sie werden in diesem Traum keine zynischen Bemerkungen mehr gemacht. Sie werden nicht ausgelacht, als Lügner hingestellt. Ihnen wird geglaubt. Sie werden nicht vermuten müssen, dass sie vergewaltigt werden wollten, weil der Film vom letzten Abend, bevor sie vergewaltigt wurden, ihnen das eingeredet hat. Sie werden in der nächsten toxischen Beziehung alle Alarmglocken läuten hören, weil der Rapper der den Abend zuvor erklärt hat was seine Texte wirklich bedeuten, mit sanften Worten erklärt hat wie er zum Thema Vergewaltigung in Beziehungen wirklich steht, ihnen die Augen geöffnet hat. Sie werden ihre Kinder nicht dem netten Onkel überlassen, weil der es ja nicht so gemeint hat, weil es normal ist, weil der Comedian im Fernsehen sich gestern Abend noch drüber lustig gemacht hat wie der Papst sich seine Zeit mit den Ministranten vertreibt. Nein, in meinem Traum hat er solche Witze nicht in seinem Programm. Denn die Welt sollte nicht über alles lachen. Ein utopischer Traum.

Fakt ist, dass verbotene Dinge erst recht Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Die Wut auf mich als Autorin kommt doch von dort oder? Nessa Hellen will mir das verbieten. Meine kleine DarkRomance-Roman-Idee. Oder den schönen Rap-Text, wo ich meiner Bitch im Schlafzimmer zeige wo es lang geht bis sie kotzt und aus der F…. blutet. Sie will mir verbieten meinen Rap-Text vor lauter dreizehnjährigen vorzutragen deren Muddis alle in der Vorhalle beim Konzert warten. Das will mir die Autorin Nessa Hellen mit ihrem Text hier verbieten. Wie im Lockdown, als ich nicht zum Friseur durfte.

Keine Panik ihr Beautiful People (Zitat: Walter White/Breaking Bad) . Ich möchte nichts verbieten. Das kann ich gar nicht. Ich will nur dass meine Meinung endlich wieder etwas wert ist und ich mir nicht anhören muss, dass ich zu emotional bin, oder sensibel, oder Aufmerksamkeit brauche, oder den Tod für meine Meinung verdient habe. Ich will Respekt. Ich will ernst genommen werden, ich möchte das mir zugehört wird.

Was also ist zu tun?

Bei der Serie „Tote Mädchen lügen nicht“ auf Netflix wird vor jeder Folge darauf hingewiesen, dass diese Darstellung von sexueller Gewalt enthält. Und es wird darauf hingewiesen wo die Zuschauer Hilfe finden können. Das ist für mich persönlich ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Ich habe mich dadurch als Opfer sexueller Gewalt angesprochen gefühlt, ernst genommen gefühlt und ich wusste vor jeder Folge auf was ich mich einlasse. Ich fand es gut, dass es einen Film zum Making of von „Tote Mädchen lügen nicht“ gab und dort nochmal offen über das Thema gesprochen wurde. Über die Gefühle der Darsteller und wie sie sich in ihrer Rolle gefühlt haben. Es wurde nochmal auf das Thema an sich hingewiesen, auf die tatsächliche Gewalt. Kurz: Es wurde darüber gesprochen und aufgeklärt und darüber hinaus informiert wo Hilfe zu finden ist. Und da ist der Knackpunkt. Das wünsche ich mir bei jedem Film und in jedem Buch bei dem es um die Darstellung von sexueller Gewalt geht. Selbst bei sogenannten „Trash-Filmen“ wie „365days“ oder „Pulb Fiktion“ wäre das sinnvoll. Entweder als Warnung im Vorfeld, oder im Nachhinein ein Hinweis auf die Schwere und Ernsthaftigkeit des Themas. Auch bei Musik oder auf Konzerten kann man das machen. Um klar zu stellen wie man als Künstler oder Autor dazu steht. Das ist alles was ich will. Und wenn man das nicht kann oder möchte, dann sollte man sich den Grund dafür ernsthaft überlegen warum man das nicht kann oder möchte. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und sage: Das muss Verpflichtung werden! Nicht die Erklärung warum oder weshalb man es so geschrieben hat, sondern der Hinweis darauf, dass es ein ernstes Thema ist das schlimme Folgen nach sich zieht, dass es sich um Gewalt handelt!

Nur um das nochmal intensiver zu erklären, und hier eine Trigger – Warnung für alle die sich gerade nicht so stabil fühlen (ich meine Betroffene) alle anderen versuchen bitte trotzdem weiter zu lesen, denn die Opfer können ja schließlich auch nicht einfach umblättern, weg zappen oder ausmachen:

Als zwölfjähriges Kind wurde ich mit Erwachsenen in einem Zimmer eingesperrt und ich musste mir eine sehr heftige Vergewaltigungsszene in einem Horrorfilm anschauen. Nachdem ich sowieso schon als Kleinkind sexuelle Traumatisierung erlebt hatte (ich wurde ua. anal vergewaltigt) kann man bestimmt ahnen wie ich mich gefühlt habe. Besonders als die Erwachsenen sich dann noch über mich amüsiert haben, weil ich gehen wollte. Sie haben mich aber nicht gehen lassen, sondern sich über mich und die Szene lustig gemacht. Die Folge von diesem Film waren Halluzinationen und sehr schlimme Albträume, Panik Attacken und Bettnässen, also kein großer Unterschied zu den Symptomen die ich schon als Kleinkind hatte, aber ein Zeichen von sehr großen emotionalen Stress. Posttraumatischen Stress. Hier spielt natürlich der Fakt eine große Rolle, dass ich diese Szene unfreiwillig sehen musste, eingesperrt war und dass ich schon sexuelle Gewalt erlebt hatte. Nur bin ich nicht die einzige der sowas passiert ist. Jedes 3. Mädchen/Frau, jeder 7.Junge/Mann erfährt sexuelle Gewalt. Und das sind nur die bekannten Fälle. Als junge Erwachsene war ich viele Jahre lang in einer toxischen Beziehung gefangen, in der ich mir einredete dass es Liebe ist was da passiert. Ich sag nur soviel: Sex hatte ich noch nie. Und ich verstehe unter Sex aus heutigen Wissen nach langer Therapiezeit gar nichts, weil es für mich nicht greifbar und nicht nachvollziehbar ist was es bedeutet Sex zu haben. Für mich bedeutete es als Kind und Jugendliche, Erwachsene, dem Mann zur Verfügung stehen.

Ich habe in meinem Leben schon oft den Satz von Bekannten und Unbekannten gehört: „Man hat viel gesehen. Da stumpft man ab.“ Und nur um den Konsens zu erklären, es ging um die Filme die sie gesehen haben. Sie hatten es nicht erlebt, sie haben im Kino oder vor dem Fernseher gesessen. Sie haben Vergewaltigungsszenen gesehen. Aber nicht in echt, sondern auf der Leinwand. Und sie sagten, sie sind dadurch abgestumpft. Es waren Leute die meine Geschichte nicht kannten und die sich noch nie in ihrem Leben mit jemanden unterhalten hatten dem so etwas wirklich passiert ist. Ich würde sagen sie werden sich für mich und meine Geschichte nicht interessieren, vermutlich wird ihnen bei meiner Geschichte die Action fehlen, oder der Reiz bei etwas zu zuschauen, das so grauenvoll ist, dass man sich als King fühlt wenn man das ausgehalten hat um es dann als harmlos abzutun. Wahrscheinlich würden sie nachdem sie meine Geschichte gehört haben sagen: Ach das! Das war doch nichts! Kennst du den Film? Der ist viel heftiger.

Greetings, das Punk-Ich.