Von Träumen, einem Musenhaushalt, putzen und Blockaden

Von Träumen, einem Musenhaushalt, putzen und Blockaden

3. Oktober 2021 0 Von Nessa Hellen

Mal – und Schreibblockaden

simpel durch einen Traum erklärt

Mein Unterbewusstsein ist wie eine Maschine. Eine die sich im Kreis dreht und an dessen Rad Hände befestigt sind die mir laufend ins Gesicht klatschen. Hier schau hin! Ich zeige es dir! Du Dumpfbacke! Warum schaust du nicht hin? Mein Leben lang macht es dass anhand von seltsamen Träumen die es zu entschlüsseln gilt. Und ich habe diese Träume dann sehr lange und fast jede Nacht. (Unterbewusstsein fasst sich an die Stirn und sagt: Ja weil du einfach ein lausiger Zuhörer bist …oh ähm Zuhörerinnen …oder so)

Das mag sein. Ich weigere mich gerne gegen mein Unterbewusstsein. Bisweilen kamen da nur verdrängte unschöne Kindheitsmomente hervor. Auf die ich in diesem Text nicht weiter eingehen werde.

Dem Unterbewusstsein sollte man dennoch öfter mal die Chance geben. Zuhören ist da nicht leicht, weil das hervorgebrachte doch manchmal sehr unfruchtbar ist, aber in diesem Fall hat es sich vielleicht sogar gelohnt.

Autor*in räuspert sich…

Gucken wir uns das mal an: Ich versuche nun im Folgenden meinen immer wieder kehrenden Traum zu erklären.

Der Traum

In meinen Träumen gibt es diesen Raum. Fast jede Nacht träume ich davon. Ich bin in einem großen Haus, manchmal verwandelt sich dieses in ein noch größeres, eine Kathedrale, oder auch in ein Stadion. Die Räume und Treppen enden nie. Ich muss es putzen und die Arbeit ist anstrengend, ich komme kaum hinterher. Den Leuten die in diesem Haus wohnen ist das egal. Aber mich lässt es nicht los. Dazu später noch mehr.

Am Schluss fällt mir immer der letzte Raum ein, der nicht geputzt ist, den ich immer wieder vergesse. Und ich verfalle in Stress. Es ist wirklich jedes Mal so.  Er ist wandelbar, manchmal auch gar nicht zugänglich. Einmal war er nur aus Holz, das andere ausgeschmückt mit edlen Teppichen und Lampen, dann wie das innere eines Tempels, mit Mosaik Steinen besetzt und mit den Farben von Sommer und Wärme bemalt. Ich putze ihn nie, ich vergesse dass es ihn gibt, sobald morgen ist, sobald ich wieder schlafe, sobald ich träume. Und man träumt ja vielleicht nur den Bruchteil der REM-Phase, und dann fällt er mir wieder ein. Gestern träumte ich wieder von diesem Raum den ich so lange schon hätte sauber machen sollen. Und dieses Mal war da nur Dunkelheit, kaum erkennbar ein Bett, eine Frau darin die Krebs hat, im Sterben liegt. Jeder Tod ist ein Neubeginn. Putzen bedeutet Reinigung, den Dreck abwaschen, für Ordnung sorgen. Nur nicht in diesem Zimmer. Es will nicht in Ordnung gebracht werden. Es will leben, will sterben und neu geboren zu werden, sich mit dem Chaos neu erfinden. Zum ersten Mal denke ich über diesen Traum nach. Und mir wird klar, es wird Zeit. Zeit für etwas Neues. Damit die Apokalypse kommen kann.

Ein Selbsterklärungsversuch

Der Raum und das Haus

Das Haus ist man selbst, die Räume deine Skills, Vergangenheit, Wünsche … ectr. Oder? Naja, so sehe ich das. Ich stehe normalerweise nicht so auf Traumdeutung. Doch ich befürchte ich komme nicht drum herum. Ich will es verstehen.

Gehen wir mal auf die Reise. Oooom…oder so (sitzt in Joga-Pose und drückt Finger zusammen)

Meine Vermutung ist dann doch ganz simpel:

Mal – und Schreibblockaden. Wer kennt es nicht? Noch nie hat es mich so erwischt wie im letzen Jahr. Ich schreibe eigentlich gerne, genauso wie ich für mein Leben gern zeichne oder male. Und plötzlich ist jegliche Energie, jegliches Feuer einfach futsch. Ich kann nicht sagen, ob es an Instagram lag, oder an privaten Ereignissen, meinem Job, der mich nicht glücklich macht aber Geld bringt. Wahrscheinlich bedeutungslos. Denn ich hatte schon immer nicht die Jobs die jemand haben möchte, hatte schon immer ein schwieriges Leben. Das Malen und Schreiben hat mich jahrelang befreit und mir Glücksmomente geschaffen. Und jetzt empfinde ich es als Hürde, als Leistung, als etwas das es nicht sein will, als Arbeit. Der Spaß ging durch meinen Perfektionismus verloren. Durch das: Ich verpacke mein Herz und meine Seele jetzt in kleine Schächtelchen auf Instagram, streue ein bisschen Glitzerstaub drauf, mache perfekte Fotos,  damit jeder diese Kunst mag. Versuche aus dem wilden Wolf in mir ein Schoßhündchen mit Schleife zu machen, das fiept und mit großen, süßen Äuglein in die Kamera linst, damit jeder dahin schmelzt.

Es hat nicht funktioniert. Und so wird das auch nichts. Ich habe immer meine Gedanken nieder geschrieben und im letzen Jahr überhaupt nichts mehr. Mit Ach und Krach habe ich es noch geschafft meinen Roman fertig zu schreiben, aber auch das mit Selbstzwang und Disziplin.

Jedes Mal wenn ich in meinem Traum den Raum sauber machen wollte, wachte ich auf, oder der Raum ließ es nicht zu. Er will nicht perfekt sein. Meine Kunst will nicht in Schachteln verpackt werden. Ich wünschte ich könnte einen Weg finden sie auf Instagram so darstellen zu können, ohne dass ich mich verbiege. Aber wie?

Kommen wir ans Eingemachte

Die Leute in meinem Traum (Die Musen?)

Ich weiß nicht wann, aber irgendwann kam mir mal die Erkenntnis, dass meine Muse kein schillerndes und engelhaftes Wesen ist, das mich küsst und mir die Erleuchtung bringt. Ich möchte mal mutmaßen, dass die Leute in meinem Traum mit dem eigensinnigen Zimmer etwas damit zu tun haben. Da gibt es zum Beispiel die Mutter. Sie ist etwas kräftig und beschäftigt sich so mit ihrem Zeug, beachtet mich kaum. Entweder spielt sie Fortnite, strickt und kocht, saut dabei die ganze Küche voll oder versucht ihre eigensinnige Tochter zum aufstehen zu zwingen, die meistens in ihrem Zimmer liegt und pubertierend vor sich hin grübelt und jeden Tag droht sich umzubringen. Dabei streichelt sie die Instagram-Katze Hermine, mit den pinken Schleifen und dem übertrieben flauschigen weißen Fell. Hermine spricht sogar, aber nicht mit mir. Für sie bin ich nur die Putze. Und dann ist da noch Tom. Ich habe mich gerade entschieden ihn so zu nennen. Er guckt gern Talkshows und Soaps und sitzt meistens auf dem Sofa während ich putze und aufräume. Ganz klar ist er in meinen Träumen nicht. Aber ich stelle ihn mir als schläfrigen Typ vor, mit einem Bauchansatz und vielleicht sprießen da sogar kleine Flügel aus seinem Rücken. Er zeigt mir manchmal wo ich noch einen Fleck vergessen habe und schüttet dann sein Bier auf den Teppich. Rülpsen kann er auch ganz gut, aber wenn ich ihn frage was noch alles zu tun ist, oder vorschlage mal die Vorhänge zu tauschen, dann schüttelt er lustlos den Kopf und frägt mich, ob ich nicht still sein kann, weil er sonst die Folge von Baywatch nochmal neu starten muss und er doch unbedingt wissen will wie Pamela den armen Surfbrettstudenten Codi aus dem Unterwasserkäfig befreit um den der weisse Hai kreist. Ja- vielleicht guckt Tom zu viel fern. Und dann gibt es da noch den Hausgeist. Eine nicht sichtbare dunkle Anwesenheit vor der ich mächtig Schiss hab. In einem Gespräch zwischen Hermine und der Tochter hatte ich mal gehört, dass Hermine den Geist wohl schon gesehen hat. Ein viktorianisches Mädchen mit Heidi-Zöpfen und schwarzen Hebammen-Outfit aus dem 19. Jahrhundert, oben am Treppenaufgang. Angeblich sucht sie ihren Zwilling. Aber Hermine ist nicht unbedingt die vertrauenswürdigste Katze. Allerdings ist sie auch die kreativste Person in diesem Musen-Haushalt. Nur redet sie halt nicht mit mir. 

Welcome to my Chaos. Dank habe ich trotzdem übrig für meine nicht ganz hilfreichen Musen. Denn manchmal erzählen sie mir Dinge (außer Hermine). Dinge die mich zum lächeln bringen und mir Mut machen, zeigen mir Bilder die ich malen will oder Geschichten die ich schreiben möchte. Meistens zum falschen Zeitpunkt und dann reden alle wild durcheinander. Ich habe keine Macht da Ordnung hinein zu bringen. Es klappt nicht. So sehr ich es auch versuche.  

 

Das Dilemma

Instagram ist nicht das Böse schlecht hin. Das will ich gar nicht sagen. Es passt nur nicht zu mir, befürchte ich. Das was mich blockiert ist trotzdem ein Teil davon. Denn man kommt kaum drum herum wenn man als Autor und Künstler Erfolg haben will. Und ich finde es toll, dass es heutzutage diese Möglichkeit gibt. Das Künstler, Musiker und Autoren aus der ganzen Welt eine Plattform haben, dass der Erfolg so nah ist, dass man seinen Fans so nah sein kann, und seinen Idolen. Manchmal liegt in den kleinen Schaufenstern auch ein Haufen Inspiration.

Ich befürchte nur, in dieser Welt unterzugehen. Ich versuchte mein Zeug in diese kleinen virtuellen Fenster zu stellen. Damit jeder der vorbei geht, stehen bleibt und staunt. Nur wollte ich keine Katzen dazu stellen, und keine Blumen, keine Tischdecken, keine Buchkerzen und auch keine kleinen flauschigen Hündchen die gerade aus einem Korb gucken der mit Gänseblümchen verziert ist. Es gibt keine Schminke die mich in ein Hochglanzmodel verwandeln und ich schminke mich grundsätzlich nicht wenn ich morgens aufstehe. Und meine Bilder zeigen leider auch keine Sonnenblumenfelder mit herum fliegenden Bienchen. Ich habe keine Ideen für interessante Fotos. Ich rede auch nicht gern. Zumindest nicht gern über mich und was ich schon alles gemacht hab und schon gar nicht in eine Kamera. Im Prinzip rede ich nur wenn jemand frägt. Wenn ich Interesse spüre. Ich war nie Verkäufer und bin der letzte Honk wenn es um Werbung geht. Dabei weiß ich auch dass dies mein größter Fehler ist. Ich bin halt schon so eine kleine Hermine. Und zweifelsohne bin ich mir bewusst dass sie ihre ganz persönlichen Schachteln braucht, bzw. Schaufenster. Es gibt noch mehr Plattformen als Instagram. Auch das ist mir klar.

 Was ist zu tun? Ich weiß es noch nicht. Ich weiß nur, dass der Raum gestern Nacht gestorben ist. Zumindest etwas in diesem Zimmer liegt im Sterben und das bedeutet in der Traumdeutung Neubeginn. Sonnenwende. Apokalypse. Ich hoffe der Winter wird nicht allzu hart. Ich kann eine Menge empfinden wenn der Schnee fällt und alles tote darunter eine Decke aus Eis und Kristallen bekommt. Der Tod ist nicht das Ende. Nur fällt mir dieser Neubeginn gerade wahnsinnig schwer. Aber ich bin bereit. Ich bin bereit eine Lösung für mich zu finden.

Und ich bin dankbar, dass ich träumen kann. Und das ich anscheinend ziemlich wandelbar bin. Ich meine das durchaus positiv. Denn vielleicht ist es das was mir dir Raum im Musenhaushalt sagen will. Verwandle dich und lass los.

Danke für die Aufmerksamkeit.