Julia E. Dietz

SchaumgeborenSchaumgeboren zwischen Gischt und Dünen.

Dem Landfrust und akuter Langeweile geschuldet, flüchtete Julia sich früh in die Weiten des Webs und fand die Erlösung in Fanfiction. Da war die Idee, selber zu schreiben, gar nicht mehr so weit weg.  Ihre Geschichten sind oft ein bisschen schräg und melancholisch. Liegt vielleicht am platten Land und schlechten Wetter, wo sie aufgewachsen ist.

Wenn Sie nicht selber schreibt, liest sie und gibt auch gerne ihre Meinung zum Buch ab. Ihr Lieblingsbuch „Die Mitte der Welt“ von Andreas Steinhöfel hat sie nachhaltig geprägt. Weitere Lieblingsautoren sind Heinz Strunk, Rocco Schamoni, Walter Moers, Anna Gavalda, Clemens Meyer, Nils Mohl, Christoph Tsiolkas, Nadine Braun und Kate Tempest.

Lebt zur Zeit in Bremen.

Was sie so schreibt:

Ihr erster Roman „Glitzernde Nächte“ erschien Februar 2018 im Himmelstürmer Verlag

Rezensionen:

queer.gelesen

like-a-dream.de

Kurzgeschichte „Plädoyer zur Erhaltung der Arbeitskraft“ auf dem Blog Entschleunigung veröffentlicht

Instagram juliadeeetz


Dicke Mädchen

In den Winterferien wurde mir mein Herz geklaut. Von einem Jungen namens Nick. Nick – das klingt verwegen, nach Abenteuern und wilden Unternehmungen. Ich heiße Beate. Das klingt langweilig und nach zu vielen Süßigkeiten vor dem Fernseher. Die dicke Beate, nennen sie mich immer – so will man nicht mit 16 heißen. Ich möchte lieber Sophie, Isabelle oder Marie heißen. Das klingt nach schönen, dünnen Mädchen mit langen Haaren und toller Haut. Ich habe einen Topfschnitt und Pickel.  Nick mag auch lieber die Sophies, Isabelles und Maries in meiner Klasse.

Eine Liebeserklärung

Du bist die Einzige.
Die Wahre.
Die Liebe meines Lebens.
Es war Liebe auf den ersten Blick, als ich dich das erste Mal sah.
Ich wollte für immer mit dir zusammen sein.
Dein schöner Schein hat mich verzaubert.
Hat mich von zu Hause weggetragen.
Ich bin in deinem Herz gefangen.
Ich weiß, du lässt mich nicht mehr los.
Dein Gesicht strahlt von außen.
Ich wollte dich von innen sehen.
Da wo sonst niemand hinkommt.
Deine Eingeweide erkunden.
Da wo es am dreckigsten ist.
Wo nur wenige hingehen.
Du hast mich aufgenommen.
Von innen heraus.
Hast mich aufgelöst und neu zusammengesetzt.
Ich nehme alles mit mir für den Rest meines Lebens.
Wir haben zusammen geliebt, getanzt, gefeiert und gekotzt.
Sind der Sonne entgegen gelaufen.
Durch den Regen gerannt.
Du hast mich in meinen schwersten Stunden gesehen und in meinen schönsten getragen.
Wie ich mit dem Gesicht im Dreck lag und versuchte wieder aufzustehen.
Es war nicht immer einfach zwischen uns.
Manchmal habe ich dich gehasst, verflucht und wollte weg von dir.
Einmal habe ich dich betrogen und bin doch wieder zurückgekehrt.
Da war ich ganz unten.
Du hast mich fallen gelassen.
Ganz tief.
Bis auf den Grund.
Hast weggesehen.
Hast noch mal nachgetreten.
Doch ich hab mich aufgerafft.
Hab weiter gemacht.
Nicht aufgegeben.
Das Urteil kam zum Schluss.
Es war hart.
Es ging nicht anders.
Ich musste dich ganz verlassen.
Es hat mir das Herz gebrochen.
Noch immer.
Es ist nie ganz verheilt.
Es wird nicht das letzte Mal sein, dass ich dich sehen werde.
Ich werde zurück kommen zu dir.
Und wieder eintauchen in deine Welt.
Dein Herz erneut im Sturm erobern.
Du wirst dich verändert haben.
Ganz bestimmt.
Dein Puls schlägt so schnell, dass ich fast nicht mehr mitkomme.
Alles verändert sich.
Ich weiß es.
Jedesmal wenn ich dich sehe.
Du bist anders als damals.
Aber wir alle verändern uns.
Ich bin auch nicht mehr dieselbe.
Es wird nicht das letzte Mal gewesen sein.
Dann werde ich wieder nachts über den Dächern der Stadt den Michel Mitternacht schlagen hören und an deinem Elbstrand liegen und den Containerschiffen hinterher schauen.
Vielleicht irgendwann.
Ganz zum Schluss.
Bin ich wieder bei dir.
Und wenn es das Letzte ist was ich tue.