Die Triarier werden es schon richten!

Die Triarier werden es schon richten!

19. Juli 2020 0 Von Daniel Bühler

Was sagten die alten Römer, wenn die K… am Dampfen war? Wenn mal wieder ein fieser Karthager vor den Toren stand und samt seinen Haustieren (Elefanten) um Einlass bat? Wenn ein schnauzbärtiger Gallier, zweimal so groß wie ein Römer, brüllend mit einem langen Schwert angestürmt kam?
Die Sache liegt jetzt bei den Triariern.

Triarier?

Eine Feldschlacht irgendwo in Italien in der Zeit der Republik. Die Sonne knallt vom Himmel. Hitze, der Duft von Pinien. Schreie von Verwundeten. Die jungen Männer, vielleicht Anfang Zwanzig, die die ersten Reihen der Legion bilden, müssen sich zurückziehen. Zu viele Verwundete, zu viele Tote. Die Gegner, vielleicht Kämpfer aus den Bergen Zentralitaliens, sind zu stark.

Die Legionäre werden ersetzt durch ihre Kameraden des zweiten Truppenteils: Die Principes rücken sofort vor. Obwohl sie vielleicht erst Mitte Zwanzig sind, haben sie die Erfahrung mehrerer Kriegszüge. Wurfspeer um Wurfspeer wird geworfen, Schilde werden zertrümmert. Die Schlacht tobt, es kann Stunden dauern. Dann der Angriff mit dem Schwert. Selbst der stärkste Mann kann nur Minuten unter vollster Belastung kämpfen. Aber wieder sind die Gegner nicht zu bezwingen.

Wieder gibt es zu viele Verwundete, zu viele Tote. Auch die Zenturios, das Rückgrat der Legion, sterben. Wenn die Soldaten leben wollen, müssen sie sich zurückziehen. Doch ist dann die Schlacht verloren? Ist dann für die Feinde der Weg frei nach Rom? Dort wo die Familien der Männer an den Stadttoren warten, jeden Boten mit zitternden Händen und bangen Blicken empfangen.

Die Gegner der Römer haben sich den Weg freigekämpft; die Legionäre sind entweder tot, oder die Überleben auf dem Rückzug. „Hinterher, vernichtet sie!“, rufen die Feinde. Endlich ein Sieg gegen die verhasste Stadt in Latium. „Auf nach Rom!“

Doch da ist noch jemand.

Gestützt auf das rechte Knie, das linke Bein aufgestellt, haben die Männer auf den Ausgang der Schlacht gewartet. Die Federn ihrer Bronzehelme wehen im Wind; an der linken Schulter lehnt ihr großer ovaler Schild. In der rechten Hand halten sie eine zweieinhalb Meter lange Stoßlanze. Durch die Lücken zwischen ihren Abteilungen ziehen sich ihre überlebenden Kameraden zurück. Geschlossen erheben sich die Männer. Legen die Waffe an. Und der Gegner, der eben noch den Sieg vor Augen hatte, steht vor einer Mauer aus Schilden und Speeren. Es sind die erfahrensten Männer der Legion, vielleicht dreißig Jahre alt. Die dritte Linie, die Triarier. Die letzte Bastion.

„Daher hört man heutzutage immer, wenn es irgendwo besonders schlimm steht, wenn es zum Äußersten kommt, das Sprichwort: Die Sache liegt bei den Triariern.“ So ähnlich schreibt der römische Historiker Titus Livius (etwa 59 v. Chr. – 17 n. Chr.) im achten Kapitel des achten Buchs seiner römischen Geschichte – RES AD TRIARIOS REDIIT, Lateinisch für: Die K… – ihr wisst schon.

In der späten Republik (ab Ende des zweiten Jahrhunderts vor unserer Zeit) verschwanden die Unterschiede zwischen den einzelnen Abteilungen, wurden die Legion und ihre Bewaffnung vereinheitlicht. Kurz vor der Zeitwende entstand daraus schließlich die Berufsarmee des Imperiums. Die Triarier und ihre jüngeren Kameraden in der Zeit der Republik hingegen waren wehrpflichtige Bürger.

Das Sprichwort ist geblieben. Und es gehört zu meinen Lieblingsworten. Natürlich bin ich – bei allen Göttern! – dankbar, dass ich an einem friedlicheren Ort und in einer friedlicheren Zeit lebe, als in der römischen Republik. Aber wenn es mir mal nicht gut geht, wenn ich vielleicht sogar denke, meine Welt bricht zusammen, dann weiß ich: Meine Triarier – in mir – werden es richten.

Für mich steht dieses Sprichwort stellvertretend für viele Geschichten aus der Zeit der römischen Republik. Eine davon gibt es bald in der Anthologie der Schreiber und Sammler.